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LiBeraturpreis 2011 geht an die Libanesin Nathalie Abi-Ezzi

Schriftstellerin wird ausgezeichnet für den Roman „Rubas Geheimnis“

Die aus dem Libanon stammende Schriftstellerin Nathalie Abi-Ezzi wird für ihren Roman „Rubas Geheimnis“ (Rowohlt) mit dem diesjährigen LiBeraturpreis ausgezeichnet. Das gab die Jury am heutigen Montag bekannt.

Die Jury lobte Abi-Ezzis Darstellung des Libanonkriegs im Jahr 1982 aus der Sicht eines achtjährigen Mädchens. Ohne in religiöses Lagerdenken zu verfallen, zeichnet das Buch ein Bild des „normalen“ Lebens inmitten einer vom Krieg gezeichneten Umgebung. Dabei behält Abi-Ezzi stets die Sicht des Kindes bei, das im Alltag Glück und Zuwendung erfährt, die komplexen politischen Zusammenhänge allerdings nicht verstehen kann.

Die Handlung gipfelt in einer hoch dramatischen, aber dennoch glaubwürdig aus Kindesperspektive geschilderten Beschreibung des verheerenden und zerstörerischen Granathagels am Ende des Krieges. Und gerade in diesem Moment ist Glück und Zukunft im Mikrokosmos der Protagonisten möglich. Nathalie Abi-Ezzi gelingt es in beeindruckender Weise, eine in der Berichterstattung oft übersehene Seite von kriegerischen Konflikten tief ins Bewusstsein ihrer Leserschaft zu rücken – dass und wie der Krieg Alltag für viele Menschen ist.

Nathalie Abi-Ezzi wurde 1972 im Libanon geboren und kam als 11-jährige nach Großbritannien. Sie hat zahlreiche Kurzgeschichten veröffentlicht. „Rubas Geheimnis“, ihr erster Roman, erschien 2008 auf Englisch und wurde für den Author’s Club First Novel Award nominiert. Das Buch erschien 2010 in der Übersetzung von Annette Meyer-Prien im Rowohlt Verlag.

Der LiBeraturpreis wird am 9. Oktober um 16 Uhr in der Christuskirche in Frankfurt verliehen.

Nathalie Abi-Ezzi liest aus ihrem Roman am 11. Oktober im Literaturhaus Frankfurt.

Die Initiative LiBeraturpreis ist 1987 aus der Arbeit des Ökumenischen Zentrums Christuskirche in Frankfurt am Main erwachsen. Mit diesem Leserpreis soll die Literatur aus Lateinamerika, Asien und Afrika dem hiesigen Publikum näher gebracht werden. Der LiBeraturpreis wird ausschließlich an Frauen verliehen, da es Autorinnen aus den Ländern des Südens oft noch schwerer als ihre männlichen Kollegen haben, wahrgenommen zu werden